Julian Gandke hat zur Blogparade aufgerufen!

Das Thema: meine erste Erinnerung an das Internet. Find ich super – mach ich doch gleich mal mit. Also wann warst du das erste mal online? War es dein eigener Computer? Was ging damals durch deinen Kopf? Welche Erwartungen hattest du und wie haben sich diese verändert? Und was hast du damals mit dem Internet gemacht? Emails? Foren? Newsgroups? Fragen, Fragen, Fragen! Doch mal von vorne. Eine konkrete erste Erinnerung an das Internet habe ich nicht. Eingebrannt hat sich aber die Melodie, die ich hörte, wenn ich mich über das Modem eingewählt habe. Das hieß natürlich auch immer, dass dann unser Telefon nicht erreichbar war. In Zeiten ohne Handy war das natürlich katastrophal. Meine Eltern wussten dann aber auch immer gleich, dass ich gerade online war, wenn sie versuchten anzurufen. Da wir nie lange ins Internet durften (weil zu teuer!), war das natürlich immer ein heikles Thema.

Unser erster Anbieter war damals AOL.

Da gab es so eine schöne Landingpage auf der alle AOL Dienste aufgelistet wurden. . Im Internet surfen war noch nicht so wirklich spannend. Viele Webseiten hatten ein eher gruseliges Design, private Webseiten waren meistens eine grauenhafte Anhäufung von pixeligen Bildern, gemischten Schriftarten und grellen Farben. Nach was ich genau suchen, auf welcher Welle ich surfen sollte, das war mir nicht genau klar. Da war für mich als 14-jährige der Chatroom ein echtes Highlight. Hier tauschten sich fremde Menschen über Themen aus, man konnte stundenlang quatschen. Auch der erste Flirt lies sich hier schadenlos ausprobieren und hatte in der Offline-Welt keine Konsequenzen. Wenn es zu eng wurde, verlies man den Chatroom einfach wieder. Es war immer noch zu Modem-Zeiten und somit waren diese kleinen Ausflüge immer zeitlich begrenzt. Ein bisschen spannender wurde es später, als ich die “Nachtschule” aus der Welt von Walther Moers entdeckte. Die Webseite gibt es übrigens heute noch. Die Nachtschule ist eine Mischung aus Forum und Erlebnisbildung. Wer von Walther Moers Zamonien nicht genug bekam, so wie ich, der konnte hier das geballte Wissen noch einmal nachlesen, in Hausaufgabentests ansammeln und sich mit eigenen Textkreationen austoben. Das war wirklich wunderbar!

 

Wirklich gebraucht habe ich das Internet erst mit 16.

Damals ging ich für ein Jahr in die USA als Austauschstudentin. Das Internet und die täglichen E-Mails mit der Familie und den Freunden daheim wurde für mich zur “lifeline”. Danach liess sich das Internet für mich nicht mehr wegdenken. Der Gebrauch wurde immer alltäglicher, als Wissensquelle stets unerlässlicher.  Heute kann ich mir ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen, auch wenn längere Auszeiten, zum Beispiel im Urlaub, immer wichtiger werden. StudiVZ, Facebook, LinkedIn und Xing (openBC) lasse ich hier einmal außen vor. Natürlich habe ich überall mitgemacht, mir die Netzwerke angeschaut, kommuniziert und interagiert. Für diesen Rückblick finde ich sie allerdings nicht sehr spannend.

 

Sicherlich hat das Internet mein Denken und Handeln sehr stark beeinflusst

Ich erinnere mich noch an Schulzeiten, zu denen die Nachschlagewerke direkt neben meinem Schreibtisch standen um wichtige Fachbegriffe und Erklärungen nachzuschlagen. Heute ist mein erster Anlaufpunkt Google und sicherlich habe ich über die frühe Nutzung gelernt, Quellen richtig einzuschätzen. Chatrooms sind für mich heute äußerst uninteressant. Lieber rede ich mit Menschen, die ich persönlich kenne oder bereits getroffen habe. Diese Art der Interaktion ist doch viel wertvoller und lässt mich nicht mit einem Gefühl der Einsamkeit zurück, wenn ich den “Chatroom” wieder verlasse. Auch muss die Kommunikation für mich zielführender sein (Kommunikation kann in so vielen Aspekten zielführend sein, wenn man sich mit Menschen unterhält, die man kennt und schätzt). Zeit ist etwas sehr wertvolles geworden und das stundenlange “abhängen” im Chatroom oder im Forum kann ich mir gar nicht mehr leisten.

 

Was hat sich noch geändert?

Die Besuche in der Stadtbibliothek haben proportional zu meinem Internet-Konsum abgenommen. Konnte ich als Jugendliche nicht genug Bücher nach Hause schleppen, so habe ich heute jede Menge RSS-Feeds abonniert, denen ich folge. Plagt mich der Wunsch nach Literatur, zapfe ich mein Kindle an und stöbere auf Amazon nach etwas passendem oder lasse mich von den Empfehlungen meiner Freunde inspirieren. Den Geruch von alten Büchern und das stundenlange Streifen durch die Bücherregale fehlt mir dabei ein bisschen, aber nur wenn ich darüber nachdenke. Der Gebrauch von digitalen Geräten hat sich allein durch das reduzierte Tragegewicht meiner Handtasche bewährt. Das Lesen ist privater geworden, denn allein ich weiß, welches Buch ich gerade lese. Ein Buchrücken kann mich im Zug nicht mehr verraten.

 

Mir hat dieser kleine Rückblick sehr viel Spaß gemacht – ein paar schöne Erinnerungen sind dabei wieder hochgekommen, an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe. Vielen Dank dafür, lieber Julian!

One thought on “Blogparade: Was ist deine erste Erinnerung an das Internet?

  1. Hi Julia,
    einige deiner Erinnerungen kommen mir durchaus bekannt vor. Vielen Dank, dass du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast und Teil dieser Blogparade bist. Hat mir wirklich sehr gut gefallen.
    Über die Sache mit dem Buchrücken habe ich noch nie nachgedacht, aber ich musste durchaus grinsen.
    Schönen Sonntag noch!
    LG, Julian

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